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Neuigkeiten
05.03.2016, 14:10 Uhr
Prof. Dr. Thomas Schirrmacher in Rutesheim: "Religionsfreiheit gehört zur DNA Deutschlands"
Vortrag zu "Christenverfolgung heute – eine Herausforderung für Politik und Kirchen"
Am 26. Februar 2016 fand im mit etwa 150 Gästen übervoll besetzten Bürgersaal in Rutesheim ein Vortragsabend zum Thema Christenverfolgung statt. Eingeladen hatten in Zusammenarbeit mit Sabine Kurtz MdL der EAK–Kreisverband Böblingen und der CDU-Stadtverband Rutesheim unter Vorsitz von Reinhart Boehm.
Die Zuhörer lauschten dem Vortrag von Prof. Dr. Thomas Schirrmacher von der ersten Minute an wie gebannt: Als herausragender Kenner der Materie behandelte er das Thema „Christenverfolgung“ nicht isoliert, sondern betrachtete es in einem universalen Rahmen. Religionsfreiheit, Menschenrechte und die globale Situation der Religionen spielten genauso eine Rolle wie die weltweite Ökumene oder – ganz aktuell – die Flüchtlingsfrage.

Einen großen Teil des Vortrags widmete er dem Thema „Religionsfreiheit“, dargestellt an der gesellschaftlichen und politischen Situation in Ländern, in denen entweder das Christentum oder der Islam die vorherrschende Religion bilden. Während in christlich geprägten Ländern der Neuzeit aufgrund ihrer historischen Entwicklung  Religionsfreiheit selbstverständlich geworden sei, herrsche in den meisten islamisch geprägten Ländern keine Toleranz und eine von der Scharia dominierte Rechtsauffassung. Beide Entwicklungen dauerten noch an und beeinflussten bis heute weite Teile der Welt.

Das religiöse Selbstverständnis einer Gesellschaft habe tiefgreifende Auswirkungen auf die Entwicklung seiner Staatsform. Zur Demokratie gehöre unweigerlich die Religionsfreiheit. Just daran scheiterten bislang die demokratischen Bewegungen in islamischen Ländern. Denn Religionsfreiheit widerspräche bisher den am meisten verbreiteten Formen des Islam. 

Die Folgen: Während christliche und andere religiöse oder weltanschauliche Minderheiten in muslimischen Ländern oft diskriminiert oder verfolgt würden, genössen muslimische Minderheiten in Ländern mit christlicher Mehrheit in der Regel Freiheitsrechte. Muslimische Minder-heiten, die in ihren muslimischen Herkunftsländern unterdrückt würden, wie beispielweise Aleviten oder die Ahmadiyyas, begrüßten und befürworteten in der Regel die Religionsfreiheit in christlich geprägten Ländern sehr. Islamistische Extremisten hingegen hätten sich zum Ziel gesetzt, die Religionsfreiheit zu „überwinden“ und missbrauchten diese häufig, um ihre Ideologie zu verbreiten. Der weltweite Islam sei also keineswegs homogen. „Differenziertes Urteilen und Handeln sind hier vonnöten“, betonte Schirrmacher. „In der Praxis heißt das: Islamisten muss durch die Staatsgewalt die „rote Karte“ gezeigt werden. Hilfs- und Schutzbedürftige aber haben Anspruch auf Unterstützung“, so Schirrmacher. „Für muslimische Flüchtlinge hierzulande gilt dies genauso wie für verfolgte Christen in anderen Ländern. Denn: Der Einsatz für Religionsfreiheit und der Kampf gegen Christenverfolgung gehören zusammen. Beides macht das christliche Ethos aus und ist auch Leitlinie der CDU.“

Daher sieht Schirrmacher Deutschland hinsichtlich der Behandlung von Flüchtlingen in der Pflicht: „Wir sind der Menschenwürde und der Humanität verpflichtet – das gehört zu unserer DNA - daran führt kein Weg vorbei“, so sein Credo.

Auch Sabine Kurtz verwies in ihrem Grußwort auf die Bedeutung der Religionsfreiheit und der  christlich-jüdischen Tradition für Deutschland. „Religion ist nicht Privatsache“, betonte sie in Abgrenzung zur Auffassung der Grünen und anderer Kräfte, die Religion aus dem öffentlichen Leben verdrängen und das Zusammenspiel von Staat und Kirchen trennen wollen. Auch halte sie es für bedeutsam, die eigene christliche Religion bewusst zu pflegen: „Wer sich seine eigene Religion gewiss ist, kann in einen selbstbewussten Dialog mit anderen Religionen treten“.