09.07.2014

Bildungspolitik am Scheideweg

Mitgliederversammlung des AK Christ und Politik des CDU-Kreisverbands Reutlingen


Dr. Martin Schmid, Vorsitzender des AK Christ und Politk im CDU-Kreisverbands Reutlingen
Auf Einladung des AK Christ und Politik des CDU-Kreisverbands Reutlingen referierte Sabine Kurtz, Landesvorsitzende des Evangelischen Arbeitskreises (EAK) der CDU Baden-Württemberg und hochschulpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, am 16. Mai 2014 in Pfullingen über die Bildungspolitik im Land.

Einleitend betonte sie, dass die Reformation eine der größten Bildungsbewegungen der Geschichte gewesen sei. Bildung sollte es jedem Gemeindeglied ermöglichen, selbst die Bibel zu lesen und sich ohne vermittelnde Instanz mit Gottes Wort auseinanderzusetzen. "Die Reformation hat dazu beigetragen, dass wir Bildung heute überhaupt als staatliche Aufgabe begreifen", so Sabine Kurtz. Nach christlichem Verständnis sei Bildung immer auch als "Herzensbildung", als Persönlichkeits-, Gewissens-, Werte- und Charakterbildung zu verstehen. "Es wäre falsch, sie allein auf den Erwerb von Wissen, Fertigkeiten und Kompetenzen zu reduzieren. Entsprechend unserem christlichen Menschenbild sind wir aufgefordert, unser Bildungssystem so zu gestalten, dass das Individuum mit seinen Fähigkeiten, Veranlagungen und Potentialen optimal gefördert wird", betonte die EAK-Landesvorsitzende.

An diesen Grundsätzen habe sich die Schulpolitik der früheren CDU-geführten Landesregierungen orientiert, erklärte Sabine Kurtz. „Es gab differenzierte und durchlässige Bildungsgänge, in denen jedes Kind entsprechend seiner Begabung gefördert werden konnte, und es galt das Prinzip "Kein Abschluss ohne Anschluss". Daran halte die CDU auch weiterhin fest.

Kritisch bezog die EAK-Landesvorsitzende Stellung zur aktuellen Bildungspolitik der grün-roten Landesregierung. Aus ideologischen Erwägungen heraus habe sie massive Veränderungen an den Schulen vorgenommen. Mit ihrem häufig unvorbereiteten und undurchdachten Vorgehen habe sie zum Teil für chaotische Zustände gesorgt und sowohl die Lehrkräfte als auch die Eltern und Schüler verunsichert. Ein Beispiel dafür sei die Genehmigung von über 200 Gemeinschaftsschulen, ohne dass es vorher eine regionale Schulentwicklung gegeben habe. Auch der Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung für weiterführende Schulen habe sich z.B. im Hinblick auf die Wiederholerzahlen verheerend ausgewirkt. Im Bereich der Inklusion habe die grün-rote Landesregierung für ein Wirrwarr gesorgt. Hier seien, wie z.B. der "Fall Henri" gezeigt habe, vielfach noch gar nicht die notwendigen Rahmenbedingungen vorhanden, und die Finanzierungsfrage sei noch ungelöst. Die beruflichen Schulen habe die Landesregierung z.B. durch die Schließung von kleinen Klassen geschwächt.

Kritik äußerten die CDU-Landtagsabgeordnete sowie die Mitglieder des AK Christ und Politik auch am Vorgehen von Grün-Rot bei der Bildungsplanreform. Zwar sei zu begrüßen, dass das zunächst geplante Querschnittsthema "Akzeptanz sexueller Vielfalt" durch eine Leitperspektive "Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt" ersetzt werden solle. "Diese Änderung darf aber nicht rein kosmetisch sein", forderte Sabine Kurtz. Stattdessen müsse es eine klare Positionierung in Richtung Toleranz geben, die alle benachteiligen und diskriminierten Gruppen einbezieht und nicht nur diejenigen, die wegen ihrer sexuellen Ausrichtung benachteiligt werden. In der Runde wurde kritisiert, dass dem Thema sexuelle Vielfalt in der politischen und gesellschaftlichen Diskussion insgesamt eine zu große Bedeutung beigemessen werde. Das Verhältnis von Mehrheit und Minderheit stünde in keiner Relation mehr zueinander, und bisher als normal empfundenes Verhalten werde mittlerweile zunehmend als rechtfertigungsbedürftig dargestellt.

Im Anschluss an den Vortrag von Sabine Kurtz gab es eine rege Diskussion, in der deutlich zum Ausdruck kam, dass der Familie eine uneingeschränkte Förderung und Fürsprache zukommen müsse, da die traditionelle Familie die Gesellschaft trage. Angesagt seien z.B. Kinderfreundlichkeit und Hilfen für in Not geratene Schwangere. Hier könne der vom EAK gegründete Notlagenfonds "Kind willkommen" weiterhelfen, so Dr. Martin Schmid, Vorsitzender des AK Christ und Politik des CDU-Kreisverbands Reutlingen.

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